Die Arbeit mit Glaubenssätzen
Ich bin nicht gut genug. Ich verdiene es nicht, glücklich zu sein. Ich muss stark sein. Kennen Sie Sätze wie diese? Dann sind Sie damit nicht allein. Schauen wir uns an, was Glaubenssätze sind, wie sie entstehen und was Möglichkeiten im Umgang mit ihnen sind.
Was Glaubenssätze mit uns machen
Glaubenssätze sind tiefgehende Überzeugungen, die unser Denken und Handeln mitgestalten. Sie entstehen meist in der frühen Kindheit, aus Erfahrungen und deren Interpretationen. Dabei gibt es auch positive, etwa „Ich bin sicher“ oder „Ich kann alles schaffen“, Ressourcen, auf die wir in schwierigen Situationen zurückgreifen können.
Fünf Wirkungsweisen negativer Glaubenssätze
Martin Gudacker unterscheidet in „Achtung Glaubenssatz“ fünf Wirkungen: antreibend, blockierend, bewertend, beeinflussend und erwartend.
Antreibend wirkt zum Beispiel „Ich muss stark sein“, es bringt mich dazu, immer weiter Leistung zu erbringen, obwohl ich am Ende meiner Kräfte bin. Bei einer Klientin führte der Antreiber „Sei perfekt“ dazu, dass sie ihre Geburtstagsfeier mit wahnsinnigem Aufwand vorbereitete, schlaflose Nächte inklusive.
Blockierend steht Entscheidungen im Weg. Eine Klientin fühlte sich in ihrer Beziehung nicht glücklich, obwohl ihr Partner eigentlich genau richtig für sie war, und entdeckte hinter der selbst erzeugten Distanz den Satz „Ich verdiene es nicht, glücklich zu sein“.
Bewertend wirken Sätze wie „Ich bin zu schwach“, eine Klientin trug einmal den Satz „Ich bin B-Ware“ mit sich, der massiv ihre Paarbeziehung beeinflusste.
Beeinflussend wirkt ein Glaubenssatz wie eine Brille, durch die man immer wieder dieselben Themen betrachtet und Alternativen übersieht.
Erwartend wird ein Glaubenssatz zum Maßstab, den man auch an andere anlegt. In einer Paarberatung führte das zu großer Enttäuschung, weil eine Person sehr gut auf sich achten konnte, was den Erwartungen der anderen widersprach.
Wie Glaubenssätze entstehen
Sie können aus wiederholt gehörten Sätzen entstehen, „Sei vorsichtig, wer weiß was passiert!“, oder aus Erfahrungen wachsen. Ein Klient entwickelte „Ich muss stark sein“, weil sein kleiner Bruder schwer krank war und er seine Eltern nicht zusätzlich belasten wollte. Eine andere Klientin entdeckte „Ich darf nicht erfolgreich sein“ als Lösung für das Alkoholproblem ihres Vaters, aus Sorge, ihn mit eigenem Erfolg noch mehr zu frustrieren.

Fragen, um Glaubenssätzen auf die Schliche zu kommen
Welche Sätze haben Sie als Kind immer wieder gehört?
Welche Stimme meldet sich, wenn Sie nicht weiterkommen?
Mit systemischem Blick fragen wir auch nach der Funktion: Was wird möglich, weil Sie diesen Satz für wahr halten? Wovor schützt er Sie?
Schon das Entdecken eines gefundenen Glaubenssatzes hat oft eine Wirkung. Negative Glaubenssätze müssen nicht sofort verschwinden, manchmal tragen wir sie jahrzehntelang mit uns. Ich arbeite gern damit, ein hilfreiches Gegenüber zu entwickeln:
Stellen Sie sich vor, Ihr Glaubenssatz steht im Raum. Wie sieht er aus? Und stellen Sie sich vor, da ist noch etwas, das seine Anwesenheit leichter macht. Was passiert mit dem Glaubenssatz, wenn das da ist? So kann aus „Ich bin es nicht wert, geliebt zu werden“ ein „Ich bin wertvoll und liebenswert“ werden. In kleinen Schritten.
Ich hoffe, dieser Artikel macht Lust aufs Erkunden Ihrer eigenen Glaubenssätze. Fragen oder Unterstützung gewünscht? Schreiben Sie mir gern an hallo@neda-mohagheghi.de oder über Social Media.
Ich freue mich,
dich und dein Team kennen zu lernen!
Neda Mohagheghi
Düstere-Eichen-Weg 22
37073 Göttingen