Navigation durch unsere Rollen

„Wie komme ich besser mit meinen verschiedenen Rollen zurecht?“ Diese Frage begegnet mir in der Begleitung von Menschen immer wieder. Da ist die Führungskraft, die klare Entscheidungen treffen soll, in der Rolle als Tochter aber gelernt hat, vorsichtig und zurückhaltend zu sein. Oder der Sohn, der als Erwachsener selbstständig sein möchte, gelernte Muster aus der Sohnrolle aber nicht ablegen kann und sich Partnerinnen sucht, die ihn genau diese Rolle weiterleben lassen.

Wir sind nie nur eine Person

Der Soziologe Ralf Dahrendorf hat die soziale Rolle eng mit der sozialen Position einer Person verknüpft: einem Ort in einem Feld von sozialen Beziehungen. Jedes Individuum kann mehrere Positionen gleichzeitig einnehmen, etwa die des Vaters, der Wissenschaftlerin, des Deutschen, und zu jeder Position gehört eine bestimmte Rolle. Das lässt sich gut mit dem systemischen Gedanken verknüpfen, dass Verhalten kontextabhängig ist und je nach Kontext variieren kann.

Dabei lohnt es sich, zwischen zwei Arten von Rollen zu unterscheiden: Entwicklungsrollen und Leistungs- und Funktionsrollen.

Entwicklungsrollen: die, die wir durchleben

Zu den Entwicklungsrollen gehören jene, die wir privat durchlaufen: Kind, Jugendliche, Erwachsener, auf ganz unterschiedliche Weisen, längst jenseits des klassischen Vater-Mutter-Kind-Modells. Was bedeutet es für meine Rolle als Elternteil, wenn mein Kind nicht mehr nur krabbelt, sondern sich hochzieht? Wie wirkt sich die Elternrolle auf meine Rolle als Beziehungspartnerin, als Tochter aus? Jede Entwicklungsstufe stellt Anforderungen an das gesamte System, das sich dann erstmal wieder zurechtruckeln darf.

Leistungs- und Funktionsrollen: die, die wir uns aneignen

Daneben gibt es Rollen, die wir uns aussuchen und in die wir hineinwachsen, indem wir uns Wissen aneignen, etwa die Rolle der Lehrerin. Während Entwicklungsrollen unsere Beziehungsgestaltung prägen, definieren Leistungs- und Funktionsrollen vor allem die Aufgabenbeziehungen. Wer Menschen führt, darf wohlwollend mitdenken, dass sie auch noch Mutter, Vater, Freundin sind, und dass sich das auf die Rolle im Team auswirkt.

Eine Übung

Schreiben Sie Ihre Rollen auf. Welche Entwicklungsrollen haben Sie bisher durchlebt? Welche haben Sie gerade inne, und wie zeigt sich die jeweilige Rolle? Und wo würden Sie gern klarer sein?

Ich habe kürzlich mit einer Klientin gearbeitet, die ihre Rollen mit Holzfiguren aufgestellt hat, neun Teile, jedes eine Rolle. Dabei fiel ihr auf, dass die berufliche Rolle sehr dominant war und die der Schwester im Hintergrund stand. Sie stellte die Figuren abends um, um zu überlegen, welche Rolle sie am nächsten Tag in den Vordergrund stellen wollte. Das wirkte sich direkt auf ihre Familieninteraktionen aus.

Wie ist es bei Ihnen? Welche Ihrer Rollen möchten Sie gern wieder mehr ins Licht holen?

Fragen zu diesem Thema oder ein Themenwunsch für die nächste Folge? Schreiben Sie mir gern an hallo@neda-mohagheghi.de oder über Social Media.

Ich freue mich,
Sie kennen zu lernen!

Neda Mohagheghi
Düstere-Eichen-Weg 22
37073 Göttingen

+49 551 – 99 96 97 26
hallo@neda-mohagheghi.de