Der Wunsch zu helfen
In vielen Weiterbildungsgruppen begegnet mir immer wieder derselbe Wunsch: helfen zu wollen. Die Frage, die sich mir dabei stellt: Um was für eine Art von Hilfe geht es, und um welche nicht?
Ein Beispiel aus dem Seminar
In einer Seminargruppe schauten wir uns einen Videoausschnitt einer Paartherapie-Sitzung an. Nach sieben Minuten stoppte ich das Video, und ein Teilnehmer platzte heraus, die Therapeutin scheine ja keine Erfahrung mit sexistischen Menschen zu haben, wie der Mann sich ausdrücke, gehe ja gar nicht. Sein Fokus hatte sich verschoben, weg vom Anliegen des Klienten, hin zu einem Thema, das ihm selbst wichtig war.
Wir kamen ins Gespräch über diese Fokusverschiebung. Achtsame Sprache war ihm sehr wichtig, ein grundsätzlich nachvollziehbarer Wunsch. Im Beratungssetting verlassen wir aber unsere Neutralität, wenn wir dazu keinen Auftrag haben. Die Gruppe diskutierte lebhaft: Kann ich mit Menschen arbeiten, deren Überzeugungen mir fremd sind? Am Ende stellte der Teilnehmer für sich fest, dass er die Teile in sich, die da anspringen, näher beleuchten möchte.
Ähnlich war es bei einer anderen Teilnehmerin, die sich in ihrer Hypothese so verliebt hatte, dass sie der Klientin unbedingt zu deren Bestätigung verhelfen wollte, obwohl die Klientin wiederholt in eine andere Richtung deutete.
Es geht nicht darum, was wir wollen
Bei beiden Beispielen zeigt sich: Besonders das Wollen im HelfenWollen kann schwierig werden. Es geht in unserer Arbeit eben nicht darum, was wir für richtig halten. Wir unterstützen dabei, Raum für Veränderung zu schaffen, wenn das gewünscht ist, auch wenn Klient:innen Wege wählen, die nicht unserer Konstruktion von hilfreich entsprechen, oder sich entscheiden, erstmal gar keinen Weg einzuschlagen.
In einem Kurs habe ich das WWW als Mantra angeboten: Weniger Wissen und Wollen. Ich weiß im Grunde nicht, was das Problem genau ist oder was eine hilfreiche Veränderung wäre, aber ich kann dazu beitragen, dass Menschen selbst mehr Klarheit gewinnen. Indem ich mich ins Wollen hineinbegebe, gerate ich in eine Position des Wissens, die ein Ungleichgewicht schaffen kann. Wie die Band Kettcar singt: Das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Fragen für dich
Bei welchen Themen könnte es dir passieren, dass du in eine Position des Wissens und Wollens gerätst, und welcher biographische Teil in dir springt dann an? Wie kann es leichter werden, auszuhalten, dass ein von dir entdecktes Thema nicht im Auftrag des Klient:innensystems liegt? Wenn du Fragen stellst: für wen stellst du sie, mit dem Ziel, nützlich zu sein, oder schwingt der Wunsch nach Bestätigung einer Hypothese mit?
Ich bin neugierig, wie es dir mit diesem Thema geht. Schreib mir gern von deinen Erfahrungen, an hallo@neda-mohagheghi.de oder über Social Media.
Ich freue mich,
dich und dein Team kennen zu lernen!
Neda Mohagheghi
Düstere-Eichen-Weg 22
37073 Göttingen