Wenn sich nichts verändert
„So geht es nicht weiter! Es muss sich unbedingt etwas ändern! Ich will das so nicht mehr!“ Solche Aussagen höre ich sowohl von Klient:innen als auch von Führungskräften sehr oft. Und dann kommt es doch immer wieder vor, dass die gewünschte Veränderung partout nicht eintritt, obwohl die Menschen genau wissen, was es dafür braucht.
Dieses Phänomen der Nichtveränderung wird aus systemischer Sicht besonders im Kontext von Therapie und Beratung beleuchtet. Ein empfehlenswerter Text dazu stammt von Ulrich Wilken. Vorab sei betont: Es handelt sich um Beobachtungen, die weder wahr noch falsch sind.
Was auf Seiten von Klient:innen im Weg stehen kann
Glaubenssätze wie „Ich bin es nicht wert, glücklich zu sein“ wirken als selbsterfüllende Prophezeiung. Eine Veränderung würde bedeuten, dass der Glaubenssatz nicht stimmt, also wird weiter entsprechend gelebt.
Auch Loyalität gegenüber der Herkunftsfamilie kann eine Rolle spielen. In vielen Familien gibt es Tabus, die nicht offengelegt werden dürfen. Vielleicht darf Genuss nicht öffentlich gezeigt werden, weil es dazu irgendwann eine Zuschreibung von sündhaftem Verhalten gab, und das kann Menschen davon abhalten, sich ein genussvolles Leben zu erlauben.
Manchmal ist Sicherheit einfach besser als eine ungewisse Zukunft. Entscheide ich mich für Veränderung, kaufe ich die Katze im Sack, es kann besser, aber auch schlimmer werden. Dieser Konflikt führt oft zum Stillstand, zur Entscheidung, lieber im sicheren Unglücklichsein zu bleiben.
Negative Erfahrungen mit Veränderung aus der Vergangenheit, etwa eine Trennung oder ein Verlust, können Veränderung grundsätzlich mit Angst verknüpfen.
Besonders bei Paaren beobachte ich häufig die Erwartung, dass sich erst jemand anders verändern muss. Beide lehnen sich zurück und warten aufeinander. Damit verbunden ist oft die Illusion, jemand anderen verändern zu können, was Menschen mitunter jahrelang in unglücklichen Beziehungen hält.
Und im Team- und Unternehmenskontext?
Auch hier gibt es Loyalität gegenüber alten Strukturen, etwa in Familienunternehmen, wo selbst mit einem Generationenwechsel Veränderung schwerfallen kann. Glaubenssätze wie „Das haben wir schon immer so gemacht“ können Prozessen im Weg stehen, ebenso die Angst vor Ungewissem und die Erwartung, dass sich erstmal irgendwer anders bewegen muss.
Was können wir tun?
Es lohnt sich, die Nichtveränderung erstmal anzuerkennen, statt auf mehr desselben zu drängen. Stattdessen können wir uns neugierig für sie interessieren: Wie kam es zu der Konstruktion, dass Veränderung bedrohlich ist? Die Bedeutung gemachter Erfahrungen lässt sich verändern, so kann etwa ein neues Teammitglied irgendwann als Bereicherung statt als Bedrohung wahrgenommen werden.

Was können wir tun?
Wofür ist es gut, den Schritt noch nicht zu gehen?
Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte?
Welcher innere Satz steht Ihnen im Weg?
Welche innere Stimme könnte Sie unterstützen?
Und wie lange brauchen Sie diesen Zustand noch?
Fragen zu diesem Thema oder ein Themenwunsch für die nächste Folge? Schreiben Sie mir gern an hallo@neda-mohagheghi.de oder über Social Media.
Ich freue mich,
Sie kennen zu lernen!
Neda Mohagheghi
Düstere-Eichen-Weg 22
37073 Göttingen