Warum Wir manchmal in der falschen Rolle feststecken

Kennen Sie Situationen wie diese?

Sie möchten als Führungskraft eine klare Entscheidung treffen – und merken plötzlich, wie schwer es Ihnen fällt, jemandem zu widersprechen.

Sie möchten als erwachsener Mensch eine eigene Entscheidung treffen – und hören innerlich noch die Stimmen Ihrer Eltern.

Oder Sie stellen fest, dass Sie im Beruf souverän auftreten, in Ihrer Partnerschaft jedoch immer wieder in alte Muster geraten.

Oft liegt das nicht daran, dass wir etwas falsch machen.

Es kann damit zusammenhängen, dass wir unterschiedliche Rollen in unserem Leben einnehmen – und diese Rollen nicht immer harmonisch zusammenarbeiten.

 

Wir sind nie nur eine Person

Jeder Mensch bewegt sich gleichzeitig in verschiedenen Lebensbereichen. Wir sind vielleicht Tochter oder Sohn, Schwester oder Bruder, Partnerin oder Partner, Mutter oder Vater, Führungskraft, Kollegin, Freund, Vereinsmitglied oder Unternehmerin.

Jede dieser Rollen bringt Erwartungen, Erfahrungen und Verhaltensweisen mit sich. Manche Rollen haben wir uns bewusst ausgesucht, andere begleiten uns schon unser ganzes Leben.

Und jede von ihnen beeinflusst, wie wir die Welt wahrnehmen und wie wir handeln.

 

Warum Rollen manchmal miteinander kollidieren

Schwierig wird es häufig dann, wenn unterschiedliche Rollen unterschiedliche Dinge von uns verlangen.

Eine Führungskraft soll Entscheidungen treffen, Orientierung geben und Verantwortung übernehmen. Wer jedoch als Kind gelernt hat, vorsichtig zu sein, Konflikte zu vermeiden oder es allen recht machen zu wollen, erlebt möglicherweise einen inneren Konflikt. Die Anforderungen der beruflichen Rolle treffen auf Erfahrungen aus einer ganz anderen Rolle.

Ähnlich kann es in Beziehungen sein. Manche Menschen wünschen sich mehr Selbstständigkeit und Freiheit. Gleichzeitig halten sie unbewusst an Verhaltensweisen fest, die sie bereits als Kind entwickelt haben. Nicht selten zeigt sich das dann auch in der Wahl von Beziehungen oder in wiederkehrenden Konflikten.

 

Rollen verändern sich ständig

Hinzu kommt, dass sich Rollen im Laufe des Lebens verändern. Aus einem Kind wird ein Erwachsener. Aus einem Paar wird vielleicht eine Familie. Kinder werden größer. Eltern werden älter. Freundschaften verändern sich. Berufliche Aufgaben entwickeln sich weiter.

Jede Veränderung bringt neue Anforderungen mit sich. Und oft braucht ein System etwas Zeit, um sich neu auszurichten. Was gestern noch gut funktioniert hat, passt heute möglicherweise nicht mehr.

 

Welche Rolle bekommt aktuell den meisten Raum?

Vor einiger Zeit arbeitete ich mit einer Klientin, die ihre verschiedenen Rollen sichtbar machen wollte. Sie stellte jede Rolle mit einer Holzfigur dar. Am Ende entstand eine kleine Gruppe von Figuren, die unterschiedliche Bereiche ihres Lebens repräsentierten.

Als sie die Figuren betrachtete, fiel ihr etwas auf:

Ihre berufliche Rolle stand sehr präsent im Mittelpunkt. Andere Rollen, die ihr eigentlich wichtig waren, befanden sich weit im Hintergrund. Besonders die Rolle als Schwester bekam kaum Raum. Diese Erkenntnis führte zu einer spannenden Frage:

Welche Rolle möchte ich aktuell eigentlich stärker leben?

Die Klientin begann, bewusst mit den Figuren zu arbeiten. Sie stellte immer wieder unterschiedliche Rollen in den Vordergrund und beobachtete, wie sich ihr Verhalten und ihre Beziehungen dadurch veränderten. Nicht jede Rolle musste dauerhaft im Mittelpunkt stehen. Aber jede durfte gesehen werden.

Ein kleines Gedankenexperiment

Vielleicht möchten Sie sich selbst einmal folgende Fragen stellen:

  • Welche Rollen prägen mein Leben aktuell?
  • Welche Rolle nimmt derzeit den meisten Raum ein?
  • Welche Rolle kommt möglicherweise zu kurz?
  • Welche Erwartungen verbinde ich mit meinen einzelnen Rollen?
  • Welche Rolle würde ich in dieser Lebensphase gerne stärker leben?

Manchmal entsteht bereits durch diese Fragen mehr Klarheit. Denn viele Menschen versuchen, ihre unterschiedlichen Rollen gleichzeitig perfekt auszufüllen.

Vielleicht geht es gar nicht darum.

Vielleicht geht es eher darum, bewusst wahrzunehmen, welche Rolle gerade gebraucht wird – und welcher wir wieder etwas mehr Aufmerksamkeit schenken möchten. Denn Zufriedenheit entsteht oft nicht dadurch, dass wir weniger Rollen haben. Sie entsteht dadurch, dass wir ihnen den Platz geben, den sie für uns haben dürfen.

Ich freue mich,
dich und dein Team kennen zu lernen!

Neda Mohagheghi
Düstere-Eichen-Weg 22
37073 Göttingen

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