Warum veränderung oft nicht passiert, obwohl wir sie uns so sehr wünschen.
„So kann es nicht weitergehen.“
Vielleicht haben Sie diesen Satz schon einmal gedacht. Vielleicht sogar mehr als einmal.
Sie wissen, dass sich etwas verändern müsste. Die Beziehung fühlt sich nicht mehr stimmig an. Die Situation im Job kostet Kraft. Ein Konflikt begleitet Sie seit Monaten. Oder Sie merken, dass bestimmte Verhaltensweisen Ihnen längst nicht mehr guttun.
Und trotzdem passiert nichts. Nicht, weil Ihnen die Lösung fehlt. Nicht, weil Sie nicht intelligent genug wären. Nicht einmal, weil Ihnen die Motivation fehlt.
Die spannendere Frage lautet oft:
Welchen guten Grund gibt es dafür, dass die Veränderung noch nicht stattfindet?
Wenn der Wunsch nach Veränderung auf etwas anderes trifft
In Coachings erlebe ich immer wieder Menschen, die genau wissen, welchen Schritt sie eigentlich gehen möchten.
Sie möchten Grenzen setzen.
Eine Entscheidung treffen.
Ein schwieriges Gespräch führen.
Einen neuen Weg einschlagen.
Gleichzeitig gibt es etwas in ihnen, das auf die Bremse tritt. Aus systemischer Sicht ist das oft kein Zeichen von Schwäche oder mangelndem Mut. Es ist vielmehr ein Hinweis darauf, dass verschiedene innere Kräfte gleichzeitig wirken.
Ein Teil möchte vorwärtsgehen.
Ein anderer Teil möchte schützen.
Sicherheit hat oft ein stärkeres Gewicht als Glück
Veränderung bedeutet immer auch Unsicherheit. Selbst wenn die aktuelle Situation belastend ist, kennen wir sie. Wir wissen, wie sie funktioniert. Wir wissen, womit wir rechnen müssen.
Bei einer Veränderung ist das anders. Vielleicht wird alles besser. Vielleicht aber auch nicht.
Deshalb entscheiden sich Menschen manchmal unbewusst für etwas Bekanntes, das sie unglücklich macht, statt für etwas Unbekanntes, das möglicherweise erfüllender wäre.
Nicht, weil sie Veränderung ablehnen. Weil Sicherheit oft ein sehr menschliches Bedürfnis ist.
Die Loyalität gegenüber dem eigenen System
Ein weiterer Aspekt begegnet mir regelmäßig in der Arbeit mit Menschen: Viele Entscheidungen treffen wir nicht isoliert. Wir sind Teil von Familien, Beziehungen, Freundeskreisen und Organisationen. Diese Systeme prägen uns stärker, als uns häufig bewusst ist. Manchmal bedeutet Veränderung deshalb auch, sich von vertrauten Erwartungen zu lösen. Vielleicht gibt es in der Familie unausgesprochene Regeln darüber, was man tut und was nicht. Vielleicht würde ein bestimmter Schritt Irritation auslösen. Vielleicht hätte jemand das Gefühl, zurückgelassen zu werden.
Auch wenn diese Dynamiken selten offen ausgesprochen werden, können sie großen Einfluss darauf haben, welche Entscheidungen wir treffen.
Die Macht unserer inneren Überzeugungen
Manche Menschen tragen innere Sätze in sich, die ihre Möglichkeiten begrenzen.
Zum Beispiel:
- Ich bin nicht gut genug.
- Ich darf keine Fehler machen.
- Erfolg steht mir nicht zu.
- Ich muss es allen recht machen.
Solche Überzeugungen wirken oft im Hintergrund. Sie beeinflussen, wie wir Situationen bewerten und welche Entscheidungen wir für möglich halten. Veränderung würde bedeuten, dass diese Überzeugungen vielleicht gar nicht stimmen. Und genau das kann überraschend verunsichernd sein.
Nicht-Veränderung ist selten sinnlos
In unserer Gesellschaft wird Veränderung oft als etwas grundsätzlich Positives betrachtet. Wer sich entwickelt, gilt als mutig. Wer stehen bleibt, wirkt schnell unentschlossen.
Aus systemischer Sicht lohnt sich jedoch eine andere Perspektive. Statt zu fragen: „Warum schaffe ich die Veränderung nicht?“ könnte die hilfreichere Frage lauten:
„Wofür ist es gut, dass ich diesen Schritt noch nicht gehe?“
Diese Frage öffnet einen Raum für Verständnis statt für Selbstkritik. Denn oft steckt hinter der Nicht-Veränderung kein Versagen, sondern ein Schutzmechanismus, der irgendwann einmal sinnvoll war.

Fragen zur Selbstreflexion
Wenn Sie gerade vor einer Veränderung stehen, können folgende Fragen hilfreich sein:
- Welchen Vorteil hat es, dass ich den Schritt noch nicht gehe?
- Was genau macht mir an der Veränderung Angst?
- Wer in meinem Umfeld hätte möglicherweise Schwierigkeiten mit dieser Veränderung?
- Welcher innere Satz taucht auf, wenn ich an den nächsten Schritt denke?
- Welche Stimme in mir könnte mich unterstützen?
- Wie lange möchte ich an der aktuellen Situation noch festhalten?
Veränderung beginnt nicht immer mit einer Entscheidung.
Manchmal beginnt sie mit einem besseren Verständnis für das, was uns bislang davon abgehalten hat.
Ich freue mich,
dich und dein Team kennen zu lernen!
Neda Mohagheghi
Düstere-Eichen-Weg 22
37073 Göttingen