Loslassen beginnt oft mit einem Abschied

„Ich weiß, dass ich loslassen sollte. Aber ich schaffe es einfach nicht.“

Diesen Satz höre ich immer wieder.

Menschen möchten eine vergangene Beziehung hinter sich lassen. Sie möchten sich von einer Enttäuschung lösen, von einem schmerzhaften Erlebnis, einer unerfüllten Hoffnung oder einer Vorstellung davon, wie das Leben eigentlich hätte sein sollen.

Und doch gelingt das Loslassen nicht.

Vielleicht, weil Loslassen oft etwas braucht, das wir gerne überspringen:

einen Abschied.

 

Warum Loslassen manchmal so schwer ist

Wenn wir über Loslassen sprechen, klingt das oft erstaunlich einfach. Lass es los. Schau nach vorne. Hak es ab. Doch so funktionieren Menschen nicht.

Hinter vielen Dingen, die wir festhalten, steckt etwas Wertvolles. Eine Hoffnung, ein Wunsch, eine Verbindung, oder eine gemeinsame Zukunft, die wir uns ausgemalt haben.

Wer loslassen möchte, verabschiedet sich deshalb häufig nicht nur von einer Situation. Er verabschiedet sich von einer Bedeutung. Und genau das macht den Prozess oft so schmerzhaft.

 

Manchmal halten wir nicht an der Realität fest, sondern an der Vision

Vor einiger Zeit begleitete ich zwei Menschen nach einer Trennung. Beide hatten versucht herauszufinden, ob sie noch einmal zueinanderfinden könnten. Nach mehreren Gesprächen wurde deutlich, dass einer von beiden nicht mehr die Kraft hatte, diesen Weg weiterzugehen. Was mich besonders berührt hat:

Es war nicht die Beziehung selbst, die ihm am schwersten fiel. Es war die gemeinsame Vision. Die Vorstellung davon, was hätte sein können. Die Zukunft, die beide einmal miteinander verbunden hatte.

Im Gespräch wurde deutlich, dass auch die andere Person genau daran festhielt. Nicht unbedingt an der Beziehung selbst. Aber an der Hoffnung.

Erst als wir begannen, diese gemeinsame Vision bewusst anzuerkennen und zu würdigen, entstand Raum für einen Abschied. Und damit auch für die Möglichkeit, langsam loszulassen.

 

Loslassen bedeutet nicht aufzugeben

Viele Menschen verbinden Loslassen mit Resignation. Mit dem Gefühl, etwas aufzugeben. Dabei erlebe ich häufig etwas anderes.

Loslassen bedeutet nicht, dass etwas bedeutungslos wird. Es bedeutet nicht, dass wir gleichgültig werden. Es bedeutet auch nicht, dass wir aufhören zu fühlen.

Loslassen kann bedeuten, anzuerkennen, dass etwas wichtig war. Dass es einen Platz in unserem Leben hatte. Und dass wir trotzdem entscheiden dürfen, unseren Blick wieder nach vorne zu richten.

 

Was entsteht, wenn etwas gehen darf?

Eine Frage, die ich Menschen in solchen Prozessen gerne stelle, lautet:

„Stell dir vor, das, was du loslassen möchtest, wäre nicht mehr da. Es entsteht ein freier Platz. Wofür möchtest du diesen Platz nutzen?“

Diese Frage verändert oft die Perspektive. Denn Loslassen schafft nicht nur einen Verlust. Es schafft auch Raum. Raum für neue Gedanken, neue Erfahrungen, neue Beziehungen, neue Möglichkeiten.

Natürlich wissen wir vorher nicht genau, was diesen Raum füllen wird. Und genau darin liegt oft die Unsicherheit.

 

Jeder Mensch hat sein eigenes Tempo

Besonders dann, wenn Trauer im Spiel ist, gibt es keinen richtigen Zeitpunkt. Keinen Schalter, den wir einfach umlegen können. Manche Dinge brauchen Zeit. Manche Gespräche oder Rituale. Nicht, weil Rituale etwas magisch lösen würden. Sondern weil sie helfen können, einem inneren Prozess eine äußere Form zu geben. Sie machen sichtbar, was ohnehin schon in Bewegung ist.

Fragen zum Nachdenken

Vielleicht möchten Sie sich einen Moment Zeit nehmen und sich fragen:

  • Woran halte ich aktuell fest?
  • Was genau würde ich verlieren, wenn ich loslasse?
  • Wovon müsste ich mich eigentlich verabschieden?
  • Welche Hoffnung, Vorstellung oder Erwartung steckt dahinter?
  • Was könnte in meinem Leben entstehen, wenn dafür Raum frei würde?

Loslassen beginnt oft nicht mit dem Wegschieben von etwas. Es beginnt mit dem Mut, hinzuschauen und anzuerkennen, was uns bisher so wichtig war. Und manchmal ist genau das der erste Schritt in Richtung Veränderung.

Ich freue mich,
dich und dein Team kennen zu lernen!

Neda Mohagheghi
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