Die Grenzen der Systemischen Therapie

Der Themenwunsch für diesen Artikel kommt von Anna, die am Beginn ihrer systemischen Weiterbildung steht: Wo liegen die Grenzen systemischer Therapie, und was tue ich, wenn es einer Person richtig schlecht geht?

Die Grenzen systemischer Therapie jenseits des Heilauftrags

Ich beziehe mich hier auf systemische Therapie jenseits des Heilauftrags, zugänglich auch ohne Psychologiestudium, ausgeübt ohne Heilerlaubnis. Die fachliche und rechtliche Grenze verläuft nicht bei bestimmten Themen, sondern bei der Ausübung von Heilkunde. Die DGSF stellt klar: Ihre Weiterbildungen vermitteln systemische Kompetenzen, begründen aber keine Erlaubnis zur Behandlung psychischer Störungen.

Daraus wird gern der Schluss gezogen, man dürfe mit niemandem arbeiten, der eine diagnostizierte Depression hat. Das stimmt so nicht, jemand kann wegen einer Trennung kommen und gleichzeitig depressiv sein. Entscheidend ist: Arbeite ich an einem Entwicklungs- oder Reflexionsanliegen, oder soll ich eine psychische Störung behandeln? Es ist also nicht das Thema, das zu groß werden kann, sondern die damit verbundene Verantwortung.

Signale, dass ein Fall den Rahmen verlässt: Die Person erwartet Symptomreduktion oder Heilung, es besteht akute Selbst- oder Fremdgefährdung, es zeigen sich psychotische Symptome oder schwere depressive Episoden. Und bei dir selbst? Du weißt nicht mehr, was dein Auftrag ist. Du fühlst dich verantwortlich, jemanden gesund machen zu müssen. Es entsteht Druck, Krisenmanagement statt Begleitung zu leisten. In diesen Fällen lohnt sich Supervision.

Was tun, wenn ein Anliegen außerhalb des Kompetenzrahmens liegt?

Hier hilft transparentes Arbeiten, zum Beispiel mit einem Satz wie: „Ich habe den Eindruck, dass Ihr Anliegen zusätzliche Unterstützung benötigt, die über meinen Auftrag hinausgeht. Lassen Sie uns überlegen, welche Hilfe jetzt passend wäre.“ Je nach Situation kannst du an psychotherapeutische Angebote verweisen, eine ärztliche Abklärung empfehlen oder Krisendienste einbeziehen.

Früh zu erkennen, wann Weitervermittlung nötig ist, wird oft als Schwäche missverstanden. Ich würde sagen, es ist ein Zeichen professionellen Handelns. Frag dich: Welchen Auftrag habe ich? Würde ich mich fachlich in Richtung Behandlung einer Erkrankung bewegen? Nicht jede schwierige Geschichte liegt außerhalb des Auftrags, aber jede, die eine heilkundliche Behandlung erfordert, überschreitet den Rahmen ohne Heilerlaubnis. Dass etwas systemisch behandelbar ist, bedeutet nicht, dass es ohne Heilerlaubnis behandelt werden darf.

Die Grenzen des Systemischen Therapie

Was tun bei großer Sorge um Klient:innen?

Vorab: Hier geht es nicht um akute Eigen- oder Fremdgefährdung, die würde den Rahmen ohnehin sprengen. Jenseits davon helfen Fragen an dich selbst: Was muss beobachtbar sein, damit du dir Sorgen machst? Welche eigene Erfahrung steckt dahinter?

Eine Möglichkeit ist, die Sorge transparent zu machen: „Ich merke, dass in mir eine Resonanz entsteht, die ich Ihnen zur Verfügung stellen möchte, ist das ok? Ich stelle fest, dass ich Sorge um Ihr Wohlergehen empfinde, wie ist das für Sie? Gibt es aus Ihrer Sicht Grund zur Sorge?“ So kannst du die Sorge als Hypothese mit ins Boot holen. Ein Kollege sagte einmal: Sobald du dir innerlich eine Frage zum Prozess stellst, stell sie ruhig laut.

 

Ich hoffe, es war etwas Hilfreiches dabei. Ein Gedanke, ein Themenwunsch oder eine Frage? Schreib mir gern an hallo@neda-mohagheghi.de oder über Social Media.

Ich freue mich,
Sie kennen zu lernen!

Neda Mohagheghi
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